AG München Urt. v. 26.02.12 – Das Katzennetz

Eine Münchner Mieterin hielt in ihrer knapp 34 qm großen Wohnung ohne Erlaubnis zwei Katzen und hatte auch noch ein Katzennetz angebracht. Der Vermieter forderte: alles muss weg. Die Katzen durften bleiben, das Netz musste leider weg.

Bei Katzen ist die Rechtsprechung großzügig. Sie sind klein, leise, sauber, meist als Wohnungskatzen gehalten und die artgerechte und liebevolle Haltung nachgewiesen wird (ein Artgenosse, Kratzbäume, Kratzmöglichkeiten, Spielzeug, ausreichend Erleichterungsmöglichkeiten mit gutem WC-Management des Halters usw.)

Beim Katzennetz entscheidet in erster Linie die Optik. Und deswegen gibt es auch so unterschiedliche Entscheidungen. In München legten beide Parteien Fotos vor. Die Mieterin fotografierte aus einer Richtung bei bewölktem Himmel, der Vermieter aus mehreren Richtungen und bei Sonnenschein. Da glitzern transparente Netze wie Diamanten, wenn der Balkon nach Süden rausgeht. In Köln (Urt. v. 25.10.12 – 222 C 205.10 juris) dagegen entschieden die Richter pro Katzennetz, u. a. weil das Netz fast unsichtbar ist, an Teleskopstangen befestigt ist und das Haus nicht verschandelt. Das AG Oberhausen (AG Oberhausen Urt. v. 10.05.11-34 C 130.10 juris) entschied sich gegen das Katzennetz. Aber bei einem 12 m langen Netz mit einer Höhe von 1,10 vor rotbraunem Klinker und grauem Beton mit blauen Querverstrebungen hatten die eigentlich keine andere Wahl. Das AG Neukölln (AG Neukölln Urt.v.12.04.12-10 C 456.11 in GE 2012, 691) hingegen machte sich das Ganze sehr leicht: formal eine dauerhafte bauliche Veränderung. Kein Kommentar.

Ein paar Hinweise: Wichtig ist die Art und Farbe des Netzes, die Art der Anbringung (bitte keine 130 Häkchen in die Thermowand), wie sichtbar ist das Netz (gibt’s Bäume oder Sträucher davor), die Lage der Wohnung (VH, HH, vierter Stock?) usw. Noch wichtiger ist: nicht einfach anbringen, sondern dem Vermieter das Gefühl geben, er bestimmt über Art und Weise.
In München kam noch ein Punkt hinzu: wenn alle so ein Netz wollen ist das Haus ja ganz vergittert, sagte der Vermieter. Das Gericht gab ihm Recht, aber andere Juristen haben gute Argumente dagegen. Schließlich ist jede Erlaubnis ein Einzelfall. Und wann hat man schon mal in einem Vorderhaus mit 12 Parteien auch 12 Katzenbesitzer?