AG Neukölln Urt. v. 15.06.12 – 2 C 340.11 – Frettchen sind keine Kleintiere?

Genehmigungsfreie Kleintiere sind klein, leicht, leise, ungefährlich, nicht zu viele, richten keinen Schaden in der Wohnung an und belästigen nicht die Nachbarn. Letztes insb. deswegen nicht, weil sie meist in „ geschlossenen Behältnissen“ leben. So hat es auch der BGH in seinem Grundsatzurteil 2007 gesagt. Nun guckte fast keiner so genau auf die geschlossenen Behältnisse, weil kein Tier lebt artgerecht, wenn es sein Leben lang ausschließlich in Käfig, Voliere oder wie auch immer eingesperrt ist und der Halter möchte ja auch Kontakt zum Tier, also spielen, streicheln usw.
Anders – mal wieder – das Amtsgericht Neukölln, das den Punkt mit den Behältnissen sehr ernst nahm. Worum ging es? Ein Neuköllner hielt 3 Frettchen, die zu 90 % im Käfig gehalten wurden, aber auch Freilauf hatten. Der Vermieter sagte, das sind marderartige Wild- und Nagetiere, die den Holzfußboden annagen, die stinken, laufen rum. Das sind keine Kleintiere. Das Gericht gab ihm recht, weil die Tiere nicht ausschließlich in geschlossenen Behältnissen leben. Viele wetterten dagegen. In einer juristischen Zeitschrift, die vom Haus- und Grundbesitzerverein herausgegeben wird, hieß es, dass ja wohl alle Tier mal ab und an frei rumfliegen. Das stimmt. Und bei beaufsichtigtem Freilauf wird weder die Wohnung zernagt noch die Nachbarn belästigt. Da ist das Gericht übers Ziel hinaus geschossen.
Ein paar Hinweise: machen Sie bei Freilauf immer deutlich, das der zeitlich begrenzt ist, ein Entweichen der Tiere durch die ständige Aufsicht während des Freilaufs nicht möglich ist und geeignete Personen den Freilauf beaufsichtigen (nicht der jüngster aus Ihrer Rasselbande). Offen liegende Kabel über Putz u.ä. sollten gesichert sein. Und legen Sie „Schöner Wohnen Fotos“ vor, aus denen einem ins Auge springt, dass alles picobello ist.